Translators'Choice

 

Aus Anlass der Buchmesse Frankfurt 1999 hatte die Arbeitsgruppe Literatur polska2000 der Villa Decius in Krakau nach den Kritikern (Critic's Choice, 1998) und den Verlegern (Publishers' Recommendations, 1998)  die Übersetzer eingeladen, „ihre“ Schriftsteller vorzu-stellen – Schriftsteller, deren Bücher sie besonders schätzen, die bisher einfach „übersehen“ wurden, Bücher, die so repräsentativ sind, dass sie in den Regalen des jeweiligen Landes nicht fehlen sollten.

 

 

Ich habe mich für DOROTA TERAKOWSKA (1938 – 2004) entschieden und sie empfohlen.

 

Nachfolgend lesen Sie meine Begründung. Auszugsweise Übersetzungen aus diesem und anderen Büchern von Dorota Terakowska können Sie gern bei mir anfordern.

 

Dorota Terakowska: Wo die Engel vom Himmel fallen -

Begründung der Auswahl

 

Ob ich an Schutzengel glaube? Eine schwierige Frage in Zeiten des kalten Rationalismus. Als Mutter von zwei Kindern möchte ich mit ja antworten, mehr noch – ich wünsche, dass die Kinder unter einem stärkeren als dem elterlichen Schutz stehen mögen.

 

Wenn man zu Dorota Terakowskas Buch „Dort, wo die Engel vom Himmel fallen” greift, muss man keine süßliche Engelsgeschichte erwarten. Die Grundhandlung ist einfach: Ewa hat ihren Schutzengel verloren. Das Ereignis bleibt von den Eltern, die sie lieben, unbemerkt, denn sie sind mit  sich und ihrer Arbeit beschäftigt. Nur die Großmutter versteht die Einsamkeit des Kindes und fühlt im Unterbewusstsein, dass es eine ernsthafte Gefahr gibt, nicht nur eine zufällige Pechsträhne, aus der das „Kind herauswachsen wird”.

 

Erst als das Mädchen todkrank ist, versteht sie, dass die einzige Rettung darin besteht, den Schutzengel wiederzugewinnen. Die Eltern und die Großmutter helfen mit allen Kräfte, werden offen für Änderungen, die früher undenkbar waren. Ob ihre Anstrengungen mit einem Sieg über die tödliche Krankheit belohnt werden?

 

Die zweite Handlungsebene spielt sich zwischen Ave, Eva's Schutzengel, und dem Engel der Dunkelheit ab. Er heißt Vea und ist Aves Zwillingsbruder, denn früher hatten sie zusammengehört.

 

Die Weißen sind wie die Schwarzen aus dem Licht geboren. Wenn das Licht sie von der Himmelsleiter gestoßen hat, dann nicht nur als Strafe, sondern auch aus Notwendigkeit. Damit sie das Land der Dunkelheit bilden, denn im Dunkeln scheint  jedes Licht heller.” Die Rolle des schwarzen Engels ist keine dankbare, sie gefällt uns nicht und ihm selbst auch nicht. „So ist unsere Vorsehung im Gefüge von Gut und Böse. Das Licht hat uns nicht deshalb von der Himmelsleiter gestoßen, damit wir das Gute stärken. Es hat es deshalb getan, damit wir ihm ein Gegengewicht bieten, anders hätte das Gute, wenn es nicht ständig auf die Probe gestellt würde, keinen Wert. Aber vielleicht, Bruder, mag ich meine Rolle gar nicht? – krächzte Vea...”

 

Ein Buch für jeden, der nicht vergessen möchte, was es heißt, das Leben zu lieben und offen für Ungewöhnliches zu sein.